Einladung

vom Initiator Henning Köhler

Heilpädagoge und Autor

Janusz Korczack Institut Nürtingen

Als die US-Psychotherapeutin Elaine Aron 1997 das im Prinzip längst bekannte Phänomen der sensory processing sensitivity – umgangssprachlich: Hoch- oder Hypersensibilität (HS) – detailliert und systematisch beschrieb, erregte sie damit unerwartetes Aufsehen.

 

Schätzungsweise 15 bis 20 Prozent aller Menschen sollen von HS betroffen sein. Sie sind empfindsam, genauer gesagt: feinsinnig bis zur Schmerzgrenze (oder darüber hinaus). Es handelt sich nicht um eine Krankheit, sondern um ein – wahrscheinlich angeborenes – Persönlichkeitsmerkmal mit Licht- und Schattenseiten. Allerdings unterliegen die Betroffenen einem erhöhten Risiko, psychisch zu erkranken. Sie leiden weitaus stärker als andere unter der permanenten Reizflut in den modernen Lebensverhältnissen, stoßen bei ihren Mitmenschen oft auf Unverständnis und neigen zur Selbstentwertung. Viele Hochsensible werden schon als Kinder zu sozialen Außenseitern, gelten als Sonderlinge, versagen in der Schule und erhalten zu Unrecht Diagnosen wie AD(H)S, Asperger-Autismus oder frühkindlich narzisstische Störung.

 

Obwohl sich seit ca. 130 Jahren immer wieder einzelne Wissenschaftler mit Hochsensibilität beschäftigten, steckt die Ursachenforschung noch in den Anfängen. Aron hat eigentlich nichts Neues entdeckt, sie gab nur das richtige Signal zur richtigen Zeit, HS endlich als Normvariante anzuerkennen und zu begreifen, welche Stärken in dieser Wesensverfassung liegen. Dutzende Sach- und Fachbücher über Hochsensibilität folgten, während zugleich Lee Carol und Jan Tober mit der „Indigo“-Hypothese Furore machten. (Man muss Carols und Tobers esoterische Spekulationen nicht teilen, um zuzugeben, dass ihre phänomenologischen Beschreibungen einiges für sich haben.)

 

In Waldorfkreisen fand die Debatte über HS bislang fast keinen Widerhall. Deshalb schlug Henning Köhler (der seit 25 Jahren darauf hinweist, dass viele fälschlicherweise pathologisierte kindliche Verhaltensauffälligkeiten auf extreme Reizempfänglichkeit, Feinsinnigkeit, „Hellfühligkeit“ zurückzuführen sind) 2014 in seiner Erziehungskunst-Kolumne vor, dem Thema eine Fachtagung zu widmen. Die Resonanz war beachtlich. Spontan bildete sich ein Vorbereitungskreis mit Menschen aus ganz Deutschland. Alles braucht seine Zeit – aber nun, drei Jahre später, ist es soweit!

 

Liebe Interessentinnen und Interessenten, Sie werden keine Waldorf-interne Veranstaltung erleben, sondern ein offenes Kolloquium mit Referenten unterschiedlicher Herkunft. Jederfrau und Jedermann sind herzlich eingeladen! Trotzdem fänden wir es besonders erfreulich, wenn anthroposophisch orientierte Menschen – Eltern, Pädagogen, Heilpädagogen, Ärzte, Therapeuten – durch unsere Bemühungen einen Anstoß erhielten, sich künftig intensiver mit dem Rätsel der Hochsensibilität zu befassen!


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